Frauen erobern sich neue Welten

Erste Einblicke in den Alltag der Basisbildungsarbeit

Ein Beitrag von Mag.a Gerhild Sallaberger, abc – Lesen und Schreiben für Erwachsene, Salzburg

 

In einer Informationsbroschüre des <abc – Lesen und Schreiben für Erwachsene> heißt es: „Öffnen Sie Türen – informieren Sie über Grund­bildung!“ Im Land Salzburg wurde viel über Grundbildung informiert und es haben sich tatsächlich Türen geöffnet: Anfang September haben in Bischofshofen Kurse speziell für Frauen begonnen, die Lesen, Schreiben, Rechnen oder Computerarbeit von Anfang an lernen oder auffrischen wollen. Und obwohl die Frauen in ihren Wünschen und Lernzielen so unterschiedlich sind und verschiedene Kennt­nisse mitbringen – eines haben sie auf jeden Fall gemeinsam: sie alle wollen lernen, was sie für ihren Alltag brauchen.

Für manche Frauen war der Griff zum Telefon nicht leicht, um sich über einen möglichen Kursbesuch zu informieren. Die freundliche und kompetente Beratung am Telefon er­leichterte es ihnen aber, sich für ein erstes Gespräch mit der/dem Trainer/in am Kursort zu entscheiden.

Bei den Erstgesprächen stellte sich eines deutlich heraus: die Motive der Frauen den Kurs zu besuchen sind bunt. Die einen wollen endlich ein selbstbestimmtes und selbstständiges Leben führen, ohne Abhängigkeiten von anderen Personen, auch wenn die Beziehung zu ihnen freundschaftlich und vertraut ist. So hofft Eva S.*, dass sie ihre 19-jährige Tochter bald nicht mehr zum Korrigieren braucht. Andere haben sich entschlossen, sich von den bisherigen Strategien des Vermeidens, Tarnens und Täuschens zu verabschieden. Maria Z. will zukünftig in geselligen Runden nicht mehr das Schreiben mit der Begründung „Ich schreibe so unleserlich!“ ablehnen. Wieder andere verknüpfen mit dem Lernen die Hoffnung, ein Stück weit aus ihrer sozialen Benachteiligung herauszukommen. Frau Edith L. arbeitet zur Zeit, obwohl für diesen Job überqualifiziert, als Reinigungskraft und vermutet, dass sie ohne Computerkenntnisse keine Chance auf einen besseren Arbeitsplatz hat. Andere Frauen haben den Mut gefasst, einen zweiten Versuch zu wagen, um ihre Lernbiographie neu fortzuschreiben. Für Judith K. war Schule immer mit Angst vor dem Schreiben verbunden. Aus diesem Grund hat sie auch vor Jahren ihre Berufsschulausbildung abgebrochen. Jetzt stellt sie nach zwei Stunden Einzelunterricht in vertraulicher Atmosphäre mit der Trainerin fest, direkt wieder Lust auf „Schule“ zu haben.

Doch trotz aller Verschiedenheiten der Frauen lassen sich auch Gemeinsamkeiten finden. Die meisten der Kursteilnehmerinnen sind berufstätig, viele haben Kinder im Schulalter. Dies in Kombination mit oftmals langen Anfahrtswegen (der längste Anfahrtsweg zum Kursort beträgt 70 km!) und Haushaltspflichten lassen die Zeitfenster eines möglichen Kursbesuchs erschreckend klein werden. Deswegen wurde schon im Kurskonzept festgeschrieben, dass die Kurszeiten nicht fix vorgegeben, sondern in Absprache mit den Teilnehmerinnen vereinbart werden.

Eine andere Gemeinsamkeit ist die Freude der Frauen über die kostenlose Nutzung eines Notebooks. Jede Teilnehmerin bekommt für die Dauer des Kurses ein Notebook zur Ver­fügung gestellt, das sie mit nach Hause nehmen kann, um dort mit speziellen Programmen selbstständig zu lernen. Dass diese Notebooks so viel Wind ins Lernen bringen, damit haben die TrainerInnen des <abc – Lesen und Schreiben für Erwachsene> nicht gerechnet.

Wie sich die Frauen die Notebooks in ihrem Alltagsleben zu Nutze machen und was sie erleben, soll im nächsten Newsletter Thema sein. Einblicke in die spannende Arbeit der IKT-unterstützten Basisbildung erwarten Sie!