Evaluation zwischen Kontrolle, Legitimation und Qualitätssicherung

Ein Beitrag von Dr. Peter Stoppacher, Institut für Arbeitsmarktforschung Steiermark

 

Mit der Förderschiene EQUAL sind vor allem zwei Aspekte verbunden, die von vielen Involvierten mittlerweile – trotz aller damit verbundener Erschwernisse vor allem adminis­trativ-organisatorischer Art - eindeutig positiv erlebt werden: Erstens bietet EQUAL in einem in vielen Bereichen durch Einsparungen bewirkten innovationshemmenden Klima die Mög­lichkeit für die Entwicklung und Erprobung neuer Ideen und Initiativen. Zweitens müssen Organisationen und Institutionen dazu Grenzen überschreiten und eine bislang in Österreich nicht gerade übliche Zusammenarbeit (sieht man von Absprachen hinter den Kulissen ab) pflegen. Konkurrenzhaltungen und partei- sowie interessenspolitische Gegensätze sind dabei in den Hintergrund zu rücken.

Evaluationen sind auch für Entwicklungspartnerschaften verpflichtend vorgesehen, was vor dem Hintergrund der inflationären Schwemme von Evaluationen in vielen Bereichen des gesellschaftlichen und politischen Lebens – von der Bewertung eines Arbeitsplatzes zu Förderzwecken bis zur (schnellen und oft nicht nachvollziehbaren) Bestimmung der Umwelt­rentabilität von Großereignissen zur nachträglichen Legitimation – nicht weiter verwunderlich ist. Die konkrete Form allerdings bleibt den jeweiligen Entwicklungspartnerschaften über­lassen – ob sie selbst intern bewältigt oder nach außen vergeben wird, ob sie mehr auf die (abschließende) Zielumsetzung oder auf die Begleitung der Umsetzung der intendierten Arbeitsschritte und der inhaltlichen Reflexion zielt.

Unseres Erachtens ist es allerdings überflüssig, die ohnehin schon aufwändige Kontrolle und Dokumentation durch eine Evaluation mit kontrollierendem Charakter zu erweitern. Sinnvoll erscheint uns im Kontext von Entwicklungspartnerschaften mit einer Vielzahl von poten­ziellen Reibungsflächen inhaltlicher, konzeptioneller, organisatorischer oder „klimatischer“ Natur, die oft aus der großen Kluft zwischen vielversprechenden Anträgen und der Um­setzungspraxis entstehen, vor allem ein Begleitforschungsansatz, der auf die Unterstützung der Umsetzung im Sinne einer Qualitätssicherung fokussiert. Kontinuierliches Feedback soll dabei die Entwicklung unterstützen und einen praktischen Nutzen mit sich bringen.

Diesen Schwerpunkt auf Arbeitsprozesse weist auch die Begleitung von In.Bewegung auf. Gemäß der Beauftragung stehen die Organisation der EP, das gemeinsame Vorgehen, um definierte Ziele zu erreichen, die Kooperation in der EP, die Aufgaben, Rollen, Verantwort­lichkeiten im Mittelpunkt des Interesses. Rückmeldungen von Personen mit Lese- oder Schreibschwächen zu ihren Erfahrungen mit den praktischen Angeboten bzw. den entwickelten Instrumenten der EP wurden – leider – nicht eingeplant. Gerade ein Feedback der betroffenen Personen aber liefert für die Entwicklungsarbeiten nach Erfahrungen in anderen EP oft wichtige und rasch verwertbare Impulse.

Die Abwicklung von In.Bewegung erfolgt im Unterschied zu anderen EP aus unter­schiedlichen Gründen, die von klaren und umsetzbaren Antragszielen über die thematische Versiertheit der Beteiligten, der Identifikation mit dem Projektziel, der Verteilung der Aufgaben bis zur umsichtigen Koordination reichen, für die Beteiligten beinahe „reibungslos“. Konkrete Optimierungsanregungen im Einzelfall durch die Begleitforschung sind daher spärlich. Ungeachtet dessen aber – so ist zu hoffen – kann durch den nicht durch den Alltagsbetrieb eingegrenzten „Blick von außen“ zur allgemeinen Qualitätssicherung beige­tragen werden.

Ein Mehrwert der begleitenden Evaluation von In.Bewegung kann sicherlich auch darin liegen, dass aus den Erkenntnissen allgemeine Rückschlüsse gezogen werden könnten, auf welche Faktoren geachtet werden soll, um voraussehbare Schwierigkeiten in vergleichbaren Arbeitszusammenhängen vermeiden zu helfen. Dazu wäre es aber notwendig, dass programmverantwortliche Stellen die Vielzahl vorliegender Erfahrungen zusammenführen (und nicht sofort Berichte sozusagen nach erledigter Pflicht schnell schubladisieren) und strukturiert reflektieren, um daraus einen breiteren Nutzen bzw. Gebrauchswert zu ziehen.